
Jesus weinte.
Johannes 11,35
Dieser Vers ist einer der kürzesten Verse der Bibel – und doch für uns sehr wertvoll. Jesus zeigt menschliche Emotionen. Er war gerührt, hat Mitgefühl ausgedrückt. Es zeigt uns sehr deutlich: Jesus war ganz Mensch. Der Kontext des Verses ist nicht unbekannt: Es geht um Lazarus, der aufgrund einer schweren Krankheit starb.
Als Jesus mit seinen Jüngern in Betanien, dem Wohnort von Lazarus, ankam, lag Lazarus schon 4 Tage im Grab (Vers 18). In Vers 21 lesen wir, dass Marta noch trauert:
Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben;
Ich denke, wir kennen das auch: Wenn wir in die Welt schauen oder selber tief betroffen sind, kommt schnell die Frage, warum Gott das zulässt.
Wir dürfen aber wissen, dass Gott seinen Plan hat. Wir kennen diesen Plan nicht. Wir können auch nicht das große Ganze sehen. Daher reagieren wir häufig mit Unverständnis.
Ich habe gelernt, dass ich gerade in solchen Situationen auf Gottes Plan vertrauen darf. Gott führt uns, gerade wenn wir es vielleicht gar nicht sehen oder verstehen können. Das Problem liegt eher bei uns: Uns fehlt uns das Verständnis für Gottes großen Plan. Auch wenn wir diese Tatsache eigentlich wissen, vergessen wir sie in den Situationen häufig.
So war es auch bei Lazarus: Jesus sagt seinen Jüngern schon in Vers 15, dass sie aus dem Tod von Lazarus für ihren Glauben lernen können. Besonders bezeichnend: Schon in Vers 4, als Jesus von der Krankheit erfahren hat, kündigt er das spätere Wunder an. In Vers 23 sagt er zu Marta, dass Lazarus auferstehen wird. In der Reaktion von Marta finde ich mich sofort wieder: „Ich weiß, … am letzten Tag“. Das wissen haben wir auch. Es gibt uns Trost. Nur in diesem Fall sah der Plan anders aus. Das zeigt: Auch wenn wir meinen, Gottes großen Plan zu kennen: Wir kennen ihn nicht! Wir sollten also immer und jederzeit dafür offen sein, dass Gott anders handelt und wirkt, als wir es uns vorstellen!
Zurück zu unserem Vers: Jesus weinte. Die Emotionen und Aussagen der anderen Personen haben ihn so berührt, dass er selber weinen musste. Es zeigt nicht nur, dass Jesus Lazarus liebte (Vers 5). Es zeigt uns auch, dass Jesus gerührt war. Er hatte menschliche Emotionen.
Wir wissen, wie es dann weiterging: Jesus bittet darum, den Stein vom Grab wegzunehmen. Marta zweifelt, doch Jesus entgegnet erneut (Vers 40): Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubtest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen?
Jesus ruft Lazarus raus (Vers 41-43) – und Lazarus kommt. Was für ein Wunder! Und genau hier erleben wir nun, dass Jesus nicht nur ganz Mensch war, sondern auch ganz Gott! Er hat den Tod besiegt und alle Macht!
Ich bin überzeugt: Der Tod das Lazarus war Teil von Gottes großem Plan. Die Menschen haben in der Situation den Plan aber nicht verstanden.
Durch die Auferweckung von Lazarus sind einige Menschen zum Glauben gekommen (Vers 45).
Für mich ist das ein sehr tröstendes Kapitel: Gott hat nicht nur über den Tot gesiegt! Er hat alle Macht. Er kann aus Situationen, die menschlich ausweglos und endgültig erscheinen, jederzeit eingreifen und ein Wunder vollbringen! Wir sollten offen dafür sein, dass Gott auch in unserem Leben, in unserer Stadt und in unserer Gemeinde wirkt! Wir sollten ihn aber nicht auf unser menschliches Denken beschränken, wie wir es in diesem Kapitel lesen. Gottes Plan ist anders. Besser als wir denken. Und auch wenn wir seinen Plan nicht kennen, dürfen wir in allen Höhen und Tiefen, in Trauer und in Freude darauf vertrauen, dass sein Plan vollkommen ist!